Kiwi-Mango-Ingwer-Marmelade
Es ist einfach zuviel. Zuviel Auswahl, zuviel Zucker, zuviel Zusätze, zuviel „Extra” und vor allem zuviel Bekanntes. All die Fruchtaufstriche mit ihren wohlklingenden Namen, die ein noch nie dagewesenes Geschmackserlebnis versprechen, hängen mir zum Hals raus.
Ich bin der manifestierte Horror einer jeden Marketingabteilung. Selten kaufe ich ein Produkt ein zweites Mal. Dafür ist die Auswahl doch zu groß. Zugegeben, an Nutella und Quittengelee komm ich nicht vorbei. Doch meistens probier ich was Neues, mit Zutaten in unbekannter Kombination. Hauptsache das Kriterium „Fruchtgehalt größer zwei Drittel” wird erfüllt.
Doch gestern war alles anders. Als mich der metaphorische Blitz traf, drehte ich den Spieß um. Die Jury der Schnittchenindustrie mit ihrem preisgekrönten DeLuxe Sonderaufstrich Aloe Vera & Fitnessnougat kann mich mal. — Ich mach mir meine eigene Marmelade!
Kiwi und Mango sollte es sein. Bei einem Blick zur bitteren Orangenmarmelade dachte ich, dass etwas Peppiges gut passen würde und fand Ingwer recht passend. Einen Augenblick später war ich in der Obst- & Gemüseabteilung und habe folgende Zutaten eingepackt:
- fünf Kiwis
- zwei Mangos
- ein Stück Ingwer
- ein Päckchen Gelierzucker 3:1
Da wären wir auch schon bei den Vorbereitungen. Zuerst bringen wir einen Topf Wasser zum kochen. Dabei spülen wir die später zu befüllenden Gläser mitsamt Deckel und legen sie zum abtöten eventuell vorhandener Keime für einige Minuten in das kochende Wasser. So hält sich die Marmelade länger.
Während die Gläser keimarm werden, ist genug Zeit um das Obst zu schälen und zu würfeln, damit der Mixer alles einfach pürieren kann. Ingwer ist sehr faserig und sollte so fein wie möglich gewürfelt werden.
Insgesamt kamen 792g Fruchtstücke zusammen. Die Waage haben wir vorher mit dem Topf austariert. Apropos Topf! Lieber einen etwas größeren Topf nehmen. Zum Pürieren und Kochen mag er groß genug sein, aber die Masse aus Zuckers und Frucht ist sehr zähflüssig, wird höllisch heiß und blubbert und spritzt kräftig.
Einfach die Fruchtstückchen mit dem Mixer pürieren. Wer die Kerne der Kiwis nicht mag, kann die Masse durch ein feines Sieb streichen. Besitzer eines starken Mixers mit scharfen Klingen können die Kerne auch zerkleinern. Dadurch wird die Marmelade etwas bitterer. Um das zu verhindern hilft es, zuerst die Mango und den Ingwer gründlich und dann nur kurz die Kiwi zu pürieren.
Es gibt unterschiedliche Sorten Gelierzucker. Die Zahlen geben das Mischungsverhältnis (Früchte:Zucker) an. Bei 3:1 kommen zum Beispiel auf 750g Früchte 250g Gelierzucker. Wer es gern süßer mag, kann auch Gelierzucker 2:1 nehmen. Durch den höheren Zuckeranteil ist die Marmelade dann auch etwas haltbarer.
Lieber länger, als zu kurz Kochen. Gerade bei so zäher Grundmasse blubbert alles schon kräftig, bevor alles richtig heiß ist. Zügiges Umrühren verhindert die schlimmsten Spritzer und fünf Minuten länger Kochen schadet nicht.
Die Gläser sollten so voll wie möglich befüllt werden, damit beim Abkühlen genug Unterdruck entsteht, um die Deckel fest auf dem Glas zu halten. Dabei hilft es auch, die Gläser beim Abkühlen auf dem Kopf stehen zu lassen. So ist es unwahrscheinlicher, dass Luft von Außen in das Glas gelangt.
Eventuelle Marmeladenkleckse oder Übergelaufenes sollte noch vor dem Schließen des Deckels mit einem Stück Küchenrolle entfernt werden, damit Keime keinen Nährboden im Schraubgewinde des Deckels finden.
Die heutige Portion hätte für drei Gläser gereicht. Da nur zwei Gläser vorhanden waren kam der Rest in eine Schale, von deren Inhalt nach ein paar Mal probieren und zwei Mal frühstücken gerade noch die Hälfte vorhanden ist.
Viel Spaß beim Nachkochen!








